Z A N D E R   G I T A R R E N

Ich weiß, so viel Text auf einer Internetseite ist bereits ein künstlerischer Fauxpas. Liest sich offensichtlich keiner durch...
Aber hier soll es ja um meine Arbeit an und mit Musikinstrumenten aus Holz gehen und diese Thematik ist so vielfältig, dass ich nur ansatzweise darstellen kann, was mich in diesem Zusammenhang so tief bewegt, dass ich mich seit mehr als 30 Jahren jeden Tag ausgiebig dieser Passion widme. Passion, ein so überstrapaziertes Wort, fast schon eine Leerhülse, die man nicht mehr benutzen möchte. Mein Herz hängt einfach daran, Klangoptionen zu gestalten und eine möglichst große und freie Bandbreite an Tongestaltung zu erschaffen, die ein Musiker ausgiebig als Klangpalette nutzen kann.

Ich glaube, dass ein Künstler einen Baum erschafft, ein Künstler ein Instrument daraus modelliert und ein Künstler hiermit ein Klangbild erschafft. Ein Klangbild, welches – zumindest im klassischen Musikfeld – ein Künstler zuvor im Geist erschuf und als Skizze aufs Papier brachte. Nicht zu vergessen der Künstler, der die letztendlich hörbaren Klangwolken als seine Musik hört und empfindend interpretiert, also individuell erlebt. Denn auch das Hören will über viele Jahre gelernt sein.

Soll ich mich hier also als reinen Gitarrenbauer darstellen und meine Tätigkeit, mein Handwerk beschreiben? Welche Bebalkung ich verwende? Welches Holz für Decke, Boden, Zargen, Hals? Warum Schellack?
Nein – alles viel zu oberflächlich und damit doch wieder völlig nichtssagend. Schellack klingt in jeder Mixtur anders, auf jedem Holz anders, und auch anders, je nachdem, wie es aufgetragen wird.
Eine Gitarre zu bauen ist ein Kosmos für sich, genauso wie eine Bach-Suite ein Kosmos für sich ist. Deswegen fühle ich mich auch höchst unwohl bei Diskussionen. Gespräche, bei denen die Partner Ohren und Herz aufmachen – das ja, aber Diskussionen? Beim Diskutieren geht es üblicherweise um konkrete Ergebnisse und Bewertungen. Wer hat denn nun Recht? Vielleicht ist so ein konkretes Ergebnis bei manchen Fragestellungen sogar möglich, aber eben immer nur eingebettet in ein unglaublich komplexes Umfeld an Umständen. Ein Schmetterling kann am richtigen Ort einen Sturm auslösen. Ein Saitenreiter aus Plastik kann auf einer bestimmten E-Gitarre für einen bestimmten Musiker wunderbar klingen. Für einen anderen nicht.
Es ist eben alles nicht so einfach, also warum diskutieren?

Deshalb gehe ich seit über 30 Jahren meinen persönlichen Weg, ein Instrument alleine und fast ausschließlich aus eigenhändig hergestellten Komponenten zu bauen. Einzige Ausnahme sind die Stimmmechaniken (ja, 3 „m“) und Saiten. Eine industrielle Herstellung lehne ich aber nicht grundsätzlich ab – es gibt sogar Hersteller, die ein gleichmäßiges, mittleres Niveau an Instrumentenqualität realisieren können. Und das ist sinnvoll, damit auch Musiker mit wenig Geld ein Instrument spielen können, auf dem sie sich schon gut ausdrücken können. Aber ein lebendiges Instrument mit Charakter, mit Persönlichkeit, kann ausschließlich durch einen Menschen ins Leben gerufen werden, der die klanglichen Charakterzüge zunächst aus dem Holz freilegt und dann durch Ruhe, Achtsamkeit und Erfahrung zu etwas Neuem zusammenfügt, in einer Holzkonstruktion.

Man muss mit seinem Wesen ganz bei der Sache sein. Eine Instrumentenfabrik ist die völlige Entfremdung von diesem Prozess. Deshalb baue ich ausschließlich nach meiner eigenen, inneren Klangvorstellung und suche alle notwendigen Materialien mit großer Sorgfalt aus.